Trotz strömenden Regens und einiger parallel stattfindender Veranstaltungen in der Region, insbesondere der Aktivitäten
gegen den Nazi-Aufmarsch in Recklinghausen, protestierten am Samstag, dem 28. November 2009, etwa 150 Menschen in Neuss gegen den bundesweit einzigen Frauenabschiebeknast auf der Grünstraße. In mehreren Redebeiträgen wurde verdeutlicht, dass zwischen ökonomischer Verwertung von Menschen, Sexismus und Rassismus ein Zusammenhang besteht, den es deutlicher herauszustellen und gezielt zu bekämpfen gilt. Die Demonstration zog lautstark begleitet von Samba – Rhythmen durch die Innenstadt. Auf einer Zwischenkundgebung am Rande des Weihnachtsmarktes wurden PassantInnen, die, wie in persönlichen Gesprächen zu erfahren war, teilweise nicht einmal von der Existenz eines Frauenabschiebeknastes in Neuss wussten, über die dortigen Zustände aufgeklärt. Vor dem Haftgebäude selbst musste zunächst die Polizei darauf hingewiesen werden, dass das Abfilmen der TeilnehmerInnen nicht erwünscht sei. Daraufhin wurde der Kamerawagen nicht weiter eingesetzt. In mehrsprachigen Grußworten solidarisierten sich die AntirassistInnen mit den inhaftierten Frauen:
(…) „Es fühlt sich falsch an, vor einem Gefängnis zu stehen, in dem echte Menschen mit ihren persönlichen Geschichten sitzen und ganz allgemein über Migration und das Leben von illegalisierten Migrantinnen zu sprechen. Wir hier draußen haben Eure Erfahrungen nicht gemacht, und wir wollen uns nicht anmaßen, für jede einzelne von Euch zu sprechen. Was wir aber tun können, ist, die diskriminierenden und gewaltsamen Verhältnisse zu benennen, unter denen Frauen weltweit leiden. Diese menschenverachtenden Verhältnisse gemeinsam zu bekämpfen, ist unser Anliegen (…).“
Nach einer weiteren Zwischenkundgebung in der Innenstadt endete die Demo mit einer veganen Suppe am Bahnhof. Im Anschluss an die Veranstaltung machten einige Leute in der Innenstadt durch das Verteilen von Essen und Infoflyern noch einmal auf das Anliegen der Demo aufmerksam.
Die VeranstalterInnen bedanken sich herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und wünschen warme Füße. Ein besonderer Dank geht an die Kochgruppe „Krisenherd“ und „Samba – Anarchia“. Auch wenn in diesem Jahr weniger Menschen als im Vorjahr am Frauenabschiebeknast erschienen, bleibt die Demonstration gegen Sexismus und Rassismus in Neuss weiterhin eine der wenigen Veranstaltungen in der Region, in deren Rahmen es kontinuierlich gelingt, spektrenübergreifend und unter Überwindung innerlinker politischer Differenzen zu mobilisieren und eigene Inhalte zu vermitteln.
Eine Dokumentation der Redebeiträge sowie eine Auswertung und ein Ausblick folgen in naher Zukunft.





