Archiv für Mai 2010

Nazi-Needle in Neuss?

Zu Dokumentationszwecken geben wir an dieser Stelle den Inhalt eines Flugblattes wieder, das während der letzten Tage im Neusser Stadtgebiet verteilt worden ist:

Nazi-Laden in Neuss

…wer sich von Nazis stechen lässt, sitzt in der Tinte!

Liebe AnwohnerInnen, liebe PassantInnen,

wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich schon seit einigen Jahren neonazistischen und anderen menschenverachtenden Inhalten und Aktivitäten entgegenstellen und diese in der Öffentlichkeit thematisieren.

Anlass dieses Textes ist die Tatsache, dass ein regional bekannter Neonazi in Neuss sein Tattoo & Piercing-Studio „Crazy Needles“(Michaelstr. 64, 41460 Neuss) eröffnet hat.

Andre „Dolly“ Dollmann war Mitglied der s.g. Freien Kameradschaft „Nationale Front Düsseldorf – LDU“. Hierbei handelte es sich um eine „parteiunabhängige“ Gruppe von Neonazis, welche überwiegend durch rege Teilnahme an rechten Demonstrationen in Erscheinung getreten ist. Im Jahr 2004 wurde bei einem Angriff auf einen Informationsstand des „Antifaschistischen Bündnisses Eller“ ein Mitglied der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen) durch Andre Dollmann schwer verletzt. Sein letzter bekannter Wohnort war der Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk.

In letzter Zeit ist es ein wenig ruhiger um ihn und seine „Kameraden“ geworden. Allerdings sind wir nicht der Meinung, dass er seine Nazi-Vergangenheit vollständig abgelegt hat. Wer die Auslage des Studio oder die Motive der Internetpräsenz etwas genauer betrachtet, weiß, dass hier auch gerne szenetypische Symbole oder Schriftzeichen gestochen werden. Natürlich alles im Rahmen der Gesetzgebung.

Uns ist es egal, ob Runen, alt-deutsche Schriftzüge oder andere Symbole generell einen Zusammenhang mit dem deutschen Faschismus in Form des „Nationalsozialismus“ aufweisen.

Wir lehnen grundsätzlich die Verherrlichung von völkischem/nationalistischem, rassistischem oder antisemitischem Denken und Handeln strikt ab. Dies gilt nicht ausschließlich aber insbesondere dann, wenn hierfür Personen verantwortlich sind, die sich offen oder versteckt zum Nazi-Regime der Jahre 1933-45 bekennen oder an andere unselige Traditionslinien der deutschen Geschichte anknüpfen wollen.

Wir fordern daher:

Keine Nazi-Läden, hier oder anderswo !!!

Für ein Leben ohne Herrschaft und Kapital

„JuLis vertreiben Nazis aus der Nordstadt?“

FDP und NPD: gemeinsamer Wahlkampf ?

So weit ist es dann doch noch nicht.

Allerdings wagen wir auch zu bezweifeln, dass die JuLis (Junge Liberalen) Neuss die NPD-Mahnwache in Neuss am vergangenen Montag durch ihr „Aufstieg durch Leistung“–Plakat in die Flucht geschlagen haben. Im Gegenteil dürften beide Parteien vielmehr darin übereinstimmen, dass nur der- und diejenige ein Existenzrecht in der Gesellschaft besitzt, der/die auch etwas „leistet“.
Die JuLis sehen das anscheinend etwas anders und loben sich auf ihrer Internetseite in den höchsten Tönen für ihr bürgerliches Engagement.
Da nur 1 versprengter JuLi samt besagtem Plakat kurz vor Veranstaltungsende auftauchte, ist es wohl eher dem spontanen Zusammenschluss einiger AntifaschistInnen zu verdanken, dass die Nazis frühzeitig das Weite suchten.

Wir beglückwünschen die Neusser JuLis zu diesem Akt dreister Selbstüberschätzung.

Im (Wahl)Kampf und in der Liebe ist bekanntlich alles erlaubt…

NPD-Wanderzirkus in Neuss

Am Montag, dem 3. Mai 2010, machten gegen 12 Uhr mittags etwa 20 Neonazis der NPD als mittlere von drei Stationen einer braunen Landtagswahl-Kaffeefahrt in Neuss Halt.
Nachdem die Schar fahnenschwenkender Ewiggestriger sich bei einer gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gerichteten „Mahnwache“ vor dem Mönchengladbacher Kreiswehrersatzamt wenig glaubhaft als Kriegsgegner in Szene gesetzt hatte, stand ihr Neusser Intermezzo unter dem üblichen Motto „Todesstrafe für Kindermörder“. Die Veranstaltung fand auf dem Berliner Platz statt, was den Vorteil hatte, dass die immergleichen rassistischen Parolen weitgehend im Lärm einer nahen Baustelle verhallten. Der extrem rechte Wanderzirkus setzte sich überwiegend aus Dürener, Krefelder und Viersener Neonazis sowie einigen Neusser „Kameraden“ zusammen. Prominentester Teilnehmer war der Parteivorsitzende Udo Voigt. Sein niederrheinisches Fußvolk nutzte die Gelegenheit, ihm seine Wehrhaftigkeit zu demonstrieren, als ein Neusser mit aus Sicht der Neonazis falscher Hautfarbe angeblich dem von ihnen stolz als „Flaggschiff“ titulierten Lautsprecherwagen zu nahe kam. Ein halbes Dutzend der „nationalen Helden“ stürzte sich auf den Mann und schlug ihn zu Boden. Da zu diesem Zeitpunkt noch zu wenige AntifaschistInnen vor Ort waren, lag es an den rund 30 zum Schutz der braunen Versammlung abbestellten Einsatzkräfte, den gewalttätigen Übergriff zu beenden, was sie allerdings erst mit einiger Verspätung taten. So ist es eher glücklichen Umständen zu verdanken, dass der von den Neonazis brutal Attackierte zwar Blessuren, aber offenbar keine massiveren körperlichen Verletzungen davontrug. Als die Menge der gegen ihre „Mahnwache“ protestierenden MigrantInnen und AntifaschistInnen anwuchs, suchten die Neonazis gegen 13.30 Uhr in Richtung Geilenkirchen das Weite.

Die Antifa Neuss wertet es als Skandal, dass die dortigen Behörden die Anmeldung der Neonazi-„Mahnwache“ im Vorfeld bewusst verschwiegen, um ähnlich breiten und lautstarken antifaschistischen Protest wie beim letzten Neuss-Besuch Udo Voigts im Sommer vergangenen Jahres zu verhindern. Um so mehr dankt sie den Menschen, die sich dennoch am heutigen Tag der NPD-Propagandahetze entgegengestellt haben.

Neuss 3. Mai I

Neuss 3. Mai II




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