
Am Abend des 27. Juni 2010 wurde bekannt, dass sich die Polizei auf die Räumung des Autonomen Zentrums in der Wiersbergstraße/Köln-Kalk vorbereitet. Diese war wohl für den folgenden Dienstagmorgen anberaumt. Die ehemalige und lange leerstehende Kantine wurde am 16. April 2010 besetzt und dient seitdem als Zentrum für autonome Kunst, Kultur und Politik. Aufgrund angeblicher Sicherheitsmängel will die Sparkasse, die Inhaberin des Gebäudes ist, dieses nun räumen lassen.
Die BesetzerInnen haben mehrfach mit StatikerInnen, ElektrikerInnen und ArchitektInnen zusammengearbeitet, um die sichere Nutzung der Räume zu gewährleisten, was sie auch in Gesprächen mit Sparkasse und Stadt wiederholt darlegten.
Dass das Gebäude nun dennoch geräumt werden soll, ist eine Kampfansage von Sparkasse und Politik und zeigt wieder einmal, dass mensch sich nicht auf die Politik verlassen kann, sondern das eigene Leben selbst in die Hand nehmen muss, wie es im Autonomen Zentrum Köln seit der und durch die Besetzung geschehen ist.
Bisher blieb die Räumung aus. Dies liegt sicherlich zu einem nicht geringen Teil daran, dass sich an besagtem Dienstag eine große Zahl UnterstützerInnen vor dem Gebäude einfand, um dieses nicht kampflos aufzugeben. Außerdem zog eine größere Gruppe zum Kalker Rathaus und besetzte den Eingangsbereich. So sollte das Anliegen eines Autonomen Zentrums unterstrichen und außerdem ein Gespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Roters erwirkt werden. Hieraus ergab sich eine Gesprächszusage für den Donnerstagmorgen. Daraus folgte lediglich: Es gibt keine Gespräche und keine Verhandlungen (Pressemitteilung Roters: http://www.stadt-koeln.de/1/presseservice/mitteilungen/2010/04664/index.html). Und das obwohl Herr Roters das AZ in Köln-Kalk vor der vergangenen Wahl noch als eine „Herzensangelegenheit“ bezeichnete. Das Verhalten der Politik als Farce zu umschreiben, wäre wohl noch untertrieben, offenbart es doch vielmehr die Ignoranz der Obrigkeit, wenn es um Chancen der Selbstorganisation ihrer vermeintlichen „Mitbürger“ geht.
Selbstverwaltete Freiräume wie ein Autonomes Zentrum sind nicht nur ein wichtiger, sondern ein nötiger Gegenpol zu den rassistischen, sexistischen und kapitalistischen Normalzuständen, in denen wir zu leben gezwungen sind. Dort kann versucht werden, unkommerzielle, nicht-diskriminierende und hierarchiefreie Alternativen zu leben und zu zeigen, dass es auch anders geht. Anders als uns Politik und bürgerliche Medien tagtäglich vorzugaukeln versuchen.
Es ist nicht hinzunehmen, dass diese Orte immer und überall der Willkür und Repression staatlicher Organe und profitorientierten Interessen ausgeliefert sind.
Unsere Solidarität gilt all jenen, die täglich für die Erschaffung und den Erhalt solcher Freiräume kämpfen.
Die nach wie vor akut drohende Räumung des AZ Köln betrifft uns alle.
Kein Tag ohne Autonomes Zentrum!
Autonome Freiräume erkämpfen und verteidigen!
Mehr Infos: AZ Köln