Neusser Geschichtspolitik 2.0

In Neuss hat die Frage nach dem Umgang mit der Geschichte der Zwangsarbeit vor einiger Zeit heftige Kontroversen ausgelöst. So gab die Stadt zwar ein Buch zum Thema in Auftrag, mochte sich aber nicht mit dessen Ergebnissen abfinden. Deshalb fungierte schließlich nicht der von der CDU dominierte Rat als Herausgeber von „Zwangsarbeit in Neuss während des Zweiten Weltkriegs“. Das Werk erschien 2005 lediglich als „Dokumentation des Stadtarchivs Neuss“ (siehe TERZ 03.08). Auch das parallel geplante Denkmal entfachte einige Diskussionen. Beim offiziellen Einweihungsakt der zwei Meter hohen und 60 Zentimeter breiten Stele kurz vor Weihnachten 2011 war das alles allerdings vergessen. Da lobte der CDU-Bürgermeister Herbert Napp in seiner Rede das Werk des Historikers Christoph Roolf ausdrücklich, und auch für seine Parteifreunde galt es plötzlich als über jeden Zweifel erhaben. „Muss man darin nicht ein kritik- und diskussionswürdiges Beispiel für eine (versuchte) Instrumentalisierung von unabhängiger geschichtswissenschaftlicher Forschung für mal diesen und dann wieder jenen (parteipolitischen und erinnerungspolitischen) Zweck erblicken? Ich meine: Ja“, schreibt Roolf in einem Offenen Brief. Und man muss darin wohl auch ein Zeichen dafür erblicken, dass die Vergangenheit in Neuss nicht mehr lebendig ist.

Quelle: Terz (2/12)

Zwangsarbeit in Neuss





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