Neonazi-Aktivitäten im Rhein-Kreis Neuss

Am Freitag, dem 28. September 2007, wurde eine 23-jährige türkischstämmige Frau auf einem Bahnsteig im Grevenbroicher Bahnhof offenbar Opfer eines fremdenfeindlich motivierten Übergriffes. Die junge Frau wurde von einem glatzköpfigen Mann, der Springerstiefel und eine Bomberjacke trug, geschlagen und getreten, konnte sich aber so effektiv wehren, dass sie nur relativ leichte Verletzungen erlitt.
Dieser Vorfall ist ein weiterer Beleg für die seit Jahren zu verzeichnende Zunahme extrem rechter Aktivitäten im Rhein-Kreis-Neuss, die einen vorläufigen Höhepunkt in Form eines Angriffes von cirka 25 Neonazis auf ein Punk-Konzert im Neusser Geschwister-Scholl-Haus erreichten ( http://de.indymedia.org/2005/11/133117.shtml).
Parallel hierzu war eine wahre Gründungswelle neofaschistischer Gruppen zu beobachten, von denen jedoch viele rasch wieder das Zeitliche segneten ( http://de.indymedia.org/2007/08/189979.shtml). Als langlebig erwiesen sich hingegen der restrukturierte NPD-Ortsverband sowie die „Freien Nationalisten Neuß“. Die beiden teilweise personenidentischen Gruppen führen Kundgebungen und sogenannte Mahnwachen in Neuss, Grevenbroich und Dormagen durch, bei denen immer wieder Andersdenkende bedroht werden, und nehmen deutschlandweit sowie im benachbarten Ausland an Neonazi-Aufmärschen teil. Für die Neusser „Kameraden“ scheint es hierbei keinen Widerspruch darzustellen, einerseits gebetsmühlenartig die „Todesstrafe für Kinderschänder“ zu fordern und andererseits einen Kranz abzuwerfen für die SS-Division Oskar Dirlewanger, benannt nach einem wegen sexuellen Missbrauchs eines 13-jährigen Mädchens verurteilten Nazischergen, so geschehen bei einer revisionistischen und NS-verherrlichenden Demonstration 2005 im brandenburgischen Halbe.
Schwerpunktmäßig in Dormagen versucht sich darüber hinaus die auf eine Initiative der extrem rechten „Bürgerbewegung pro Köln e. V.“ zurückgehende Gruppierung „pro NRW“ kommunalpolitisch zu etablieren. Propagandistische Hilfe holt sie sich hierbei bei Neofaschisten wie Harald Neubauer, Mitherausgeber der braunen Zeitschrift „Nation und Europa“, und dem Fraktionsvorsitzenden der NPD im sächsischen Landtag Holger Apfel, die sie regelmäßig im Rahmen so genannter Dienstagsgespräche ihre minderheitenfeindliche Hetze verbreiten lässt ( http://de.indymedia.org/2007/09/194154.shtml).
Mit den Aktivitäten der extremen Rechten im Rhein-Kreis-Neuss wuchs dort allerdings auch der antifaschistische Widerstand. Besonders eine im August 2007 unter dem Motto „Keine Freiräume für Nazis“ erfolgreich durchgeführte Antifa-Demonstration dürfte die Neusser Neonazis beeindruckt haben ( http://de.indymedia.org/2007/08/190148.shtml).
Wohl nicht zuletzt als Reaktion hierauf versuchen sie nun, mit Hilfe benachbarter NPD-Kreisverbände und „Freier Kameradschaften“ ihre Stärke und Mobilisierungskraft unter Beweis zu stellen. So rufen Neonazis aus dem Spektrum der NPD und der „Freien Kameradschaften“ für Samstag, den 13. Oktober 2007, zu einer Demonstration durch Neuss auf. Als zusätzliches Zugpferd übernimmt Christian Malcoci, seit Jahrzehnten in der Neonaziszene aktiv und offiziell in Grevenbroich-Elsen wohnhaft, die Funktion des stellvertretenden Versammlungsleiters. AntifaschistInnen werden alles daran setzen, dass Malcoci und Konsorten an diesem Tag nicht weit kommen werden…

Quelle: indymedia, 03.10.2007




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: