„NGZ“ ehrt „Dr. Anti“
Neuss. Eduard Stadtler ist bekannt als einer der Theoretiker der »Konservativen Revolution« in der Weimarer Republik, die mit ihrer Ideologie einen wichtigen Anteil an der Machtübertragung an die Nazis im Jahre 1933 hatten. In den Publikationen der sog. »Neuen Rechten« werden Stadtler & Co. schon seit langer Zeit als Vorbilder und Vordenker für mögliche zukünftige Entwicklungen angepriesen. Auch in konservativen Blättern ist dies zunehmend der Fall. So ehrte jüngst die »Neuss-Grevenbroicher-Zeitung«, ein noch konservativerer Lokal-Ableger der CDU-nahen »Rheinischen Post«, den »Jungkonservativen« Stadtler mit einem umfangreichen Artikel als »Vorreiter des europäischen Gedankens«. Der Hintergrund: Die Tochter Stadtlers, Elisabeth Stadtler (81), wohnt seit den 50er Jahren im Kreis Neuss und war lange Zeit Mitarbeiterin der »Neuss-Grevenbroicher Zeitung« und der lokalen CDU. Sie hat für das Buch »Augustinus Rösch – Leben im Widerstand« Material über ihren Vater zusammengestellt und zugleich der »NGZ« eine Lebensgeschichte des Eduard Stadtler präsentiert, die so nicht stimmt.
Der Kreisvorsitzende der Neusser VVN-BdA widersprach daraufhin in einer Stellungnahme der »NGZ«-Darstellung und bezeichnete den damals unter dem Spitznamen »Dr. Anti« bekannten Gründer und Führer der »Antibolschewistishen Liga« als einen »Wegbereiter des Nationalsozialismus und Schreibtischmörder«. Er verwies darauf, daß der Verfechter einer »national-sozialistischen Volksgemeinschaft« im Namen eines »deutschen Sozialismus« sich selbst in seinem Buch »Als Antibolschewist« als den geistigen Urheber der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Jahr 1919 bekannte. Von Stadtler stammte damals die Aufforderung, »der Republik die Köpfe (zu) nehmen«, der neben vielen anderen auch Kurt Eisner und Walter Rathenau zum Opfer fielen. Die Behauptung, Stadtler sei nicht Mitglied der Nazi-Partei geworden, bezeichnete der Kreisvorsitzende der VVN-BdA als »eine Masche der Legende vom ‚guten Nazi‘, die mit diesem Artikel gestrickt« werde. Ganz im Gegenteil erhielt Stadtler, bis zur Machtübertragung Mitglied der »Deutschnationalen Volkspartei« (DNVP), der sich als Baumeister der Hitler-Papenburg-Regierung rühmte, als Dank mit dem Parteibuch die politische Leitung des arisierten Berliner »Ullstein«-Verlages übertragen, den er dann auch rücksichtslos »gleichschaltete«.
Nur weil Stadtler sich in »seinen Büchern allzu großmäulig als ‚Retter Deutschlands‘ vor dem Bolschewismus zu profilieren versuchte, geriet er bei den Nazis schließlich ins Abseits«. Aus einer Gestalt wie Stadtler »einen Widerstandskämpfer stilisieren zu wollen, hieße, als nächsten Schritt auch noch Ernst Röhm rehabilitieren zu wollen«, heißt es in dem Brief abschließend.
hma
Quelle: Antifaschistische Nachrichten Nummer 20/1998





