„Parteikompatibel“
Christian Malcoci: Ein Nazikader unter der Lupe

„Prinz Poldi“ („Dein Lukas“) hatte gerade eben zum 3:0 gegen Ecuador getroffen und „ganz Deutschland glücklich gemacht“, darunter auch die allermeisten der zirka 70 Fußballinteressierten vor einem kleinen Düsseldorfer Lokal an der Oberbilker Allee. „Schwarz, rot, geil“ ist angesagt, niemand interessiert sich für den unscheinbaren Passanten, der mitten unter ihnen steht, um sich über den Spielstand zu informieren. Dabei gehört dieser seit über 20 Jahren zu den umtriebigsten Neonazis in der BRD. Obwohl zurückhaltender als in den achtziger Jahren, zählt der ehemalige NSDAP-AO-Aktivist und Elektrotechnik-Student an der Fachhochschule Düsseldorf auch heute noch zu den einflussreichsten Kadern im deutschen und niederländischen Neonazismus.
Nur ganz selten tritt der im rumänischen Cluj-Napoca geborene Mitorganisator der letzten Düsseldorfer Neonazi-Demo bei öffentlichen Veranstaltungen in der BRD ans Mikrofon. Auch am 3. Juni 2006 beschränkte er sich auf koordinierende Aufgaben und die Leitung des Ordnerdienstes. Und selbst in der Funktion des Demoanmelders und Versammlungsleiters belässt er es beim Moderieren. Das, was er als bekennender Nationalsozialist gerne darüber hinaus sagen würde, verkneift er sich lieber, lässt anderen den Vortritt, sich mehr oder weniger erfolgreich um Strafgesetze und Polizeiauflagen herumzulavieren.
Bereits 1983 wurde der heute 43-Jährige als „Kameradschaftsführer“ der „Kameradschaft Rhein-Westfalen“ der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationaler Aktivisten“ (ANS/NA) geführt, die am 7. Dezember 1983 verboten wurde. Später fungierte er als Leiter des „Referates für Sicherheit“ des 1984 gegründeten „Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers“ (KAH) der ANS/NA-Nachfolgestruktur „Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front“ (GdNF). Ehemalige ANS/NA-Aktivisten, unter ihnen Malcoci, unterwanderten nach dem ANS/NA-Verbot die „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP) und dominierten sie zeitweilig.
Blättert man in alten Ausgaben der „Neuss-Grevenbroicher Zeitung“ (NGZ), so findet man Mitte der achtziger Jahre reichlich Spuren von Malcoci. In Grevenbroich-Elsen – auch heute Malcocis offizielle Wohnadresse – sei „ein Flugblatt aufgetaucht, […] unterzeichnet vom ‚Führungsstab Neuss-Grevenbroich‘ […] und versehen mit dem Nazisymbol Hakenkreuz“, schrieb die NGZ am 29. April 1985. „DER ABSCHAUM IN UNSEREN LAND NIMMT ÜBERHAND“, heißt es in diesem Flugblatt. Und weiter: „TUT EUCH ZUSAMMEN […], MACHT DEM TÜRKENVOLK DAS LEBEN HIER ZUR HÖLLE!“
Am 4. März 1988 berichtete die „Westdeutsche Zeitung“ (WZ) von zwei Hausdurchsuchungen, bei denen auch Schusswaffen beschlagnahmt worden waren. Der FAP-“Gausekretär Rheinland“ Christian Malcoci, zwischenzeitlich ins nahe Jüchen-Damm verzogen und mit Maria-Luise Süß-Lindert, Aktivistin der „Deutschen Frauenfront“ (DFF), verheiratet, wurde verhaftet. Der Hauptvorwurf gegen ihn und andere: Fortführung der verbotenen ANS/NA.
Ende 1989 verließ Malcoci die FAP, nachdem er sich zuvor anlässlich des 100. Geburtstages Adolf Hitlers dafür ausgesprochen hatte, die am Thema Homosexualität entbrandeten Streitigkeiten in der Partei zu begraben, was jedoch offenbar an der Parteiführung um Friedhelm Busse scheiterte. Gemeinsam mit Michael Swierczek (München) und Christian Sennlaub (Witten) gründete er am 3. Juli 1990 die Partei „Nationale Offensive“ (NO), die jedoch am 22. Dezember 1992 verboten wurde.

Der „Bewegungsprozess“ und die HNG

„Vor Polizei und Gericht sind Aussagen über Organisationen und Aktionen der Bewegung verboten“, heißt es in der „KAH-Dienstvorschrift DV 1986″. Unterzeichner: „i.A. Malcoci“. Neun Jahre später setzte er seine Anweisung in eigener Sache faktisch außer Kraft, als er im letzten Stadium des insgesamt vier Jahre andauernden Stuttgarter „Bewegungsprozesses“ wegen Fortführung der ANS/NA umfangreiche Aussagen machte und die Vorwürfe einräumte. Er sei aber nach seinem Austritt aus der FAP nicht mehr politisch aktiv gewesen und habe lediglich noch zwei Jahren „Gefangenarbeit“ als stellvertretender Vorsitzender der „Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene“ (HNG) gemacht. Er wolle sich in Zukunft nicht mehr politisch betätigen, so Malcoci. Das Gericht glaube ihm, das Urteil am 7. März 1995 fiel gnädig aus. 18 Monate Haft, vier Jahre lang zur Bewährung ausgesetzt. Bis heute ist Malcoci für die neonazistische HNG aktiv…

Vorübergehender ‚Rückzug‘ in heidnisch-germanische Wälder

Am 22. November 1992, neun Monate nach Eröffnung des „Bewegungsprozesses“, wurde auf Initiative Malcocis der „Orden von Thule“ gegründet. Man werde, so der Initiator in der Verbandszeitung „Thule“, einen „abendländischen Kulturkampf gegen Materialismus und Überfremdung“ führen. Der „Orden von Thule“ verstehe sich als „Instrument zur Förderung der deutschen Kultur, zur Klärung von Glaubensfragen und zur Erforschung der mythischen Vergangenheit“. Mit „Partei- und Tagespolitik“ habe man nichts zu tun, man sei eine „Glaubens- und Kulturgemeinschaft“ und bestehe auf der „Glaubensfreiheit nach Art. 4 GG“. Viel zustande brachte der „Orden“ jedoch nicht und löste sich später in der „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgemässer Lebensgestaltung“ auf, die bis heute einen „Freundeskreis Rheinland“ unterhält.

Nationaal-Socialisten

Bereits in den achtziger Jahren verfügte Malcoci über gute Verbindungen in die Niederlande, die er später weiter ausbaute. So findet sich 1994 in der ersten Ausgabe von „Thule“ ein Artikel, in dem von einem Besuch „einer Delegation des Ordens im Rathaus von Rotterdam“ beim „neu gewählten Stadtratsabgeordneten Martyn Freling […], Abgeordneter der Zentrumspartei ’86″ berichtet wird. Man habe sich auf eine „dauerhafte Zusammenarbeit“ verständigt. Zu diesem Zeitpunkt dürften sich Malcoci und Freling schon mindestens zehn Jahre gekannt haben. Nach dem Verbot der deutschen ANS/NA waren in den Nachbarländern gleichnamige Organisationen gegründet worden, mit Anbindung an die GdNF. In den Niederlanden wurde 1984 die „Aktiefront Nationaal-Socialisten“ (ANS) ins Leben gerufen. Führer: Martyn Freling. Dieser gründete 1985 auch das „Komitee ter Voorbereiding van de Festiviteiten ter Ere van de honderdste Verjaardag van Adolf Hitler“.
Spätestens ab Mitte der 1990er Jahre hielt sich Malcoci, der 1994 sein 12-jähriges Elektrotechnik-Studium abgebrochen hatte, immer häufiger in den Niederlanden auf. Dort waren Aktionen möglich, die in Deutschland damals ausgeschlossen waren, zum Beispiel ein Heß-Marsch Ende Juli 1999 in Valkenburg oder eine Feier zum Jahrestag des Hitler-Putsches im November 2000, bei der Malcoci als Redner auftrat.
Im Mai 2001 wurde er Parteisekretär der „Nederlandse Volksunie“ (NVU) und fungiert bis heute als Bindeglied zwischen niederländischen und deutschen Neonazigruppen – ausdrücklich auch zur NPD. Besonders deutlich wurde diese Funktion, als er im März 2001 versuchte, eine grenzüberschreitende deutsch-niederländische Neonazidemonstration auf die Beine zu stellen. 2002 und 2006 kandidierte er erfolglos bei den Kommunalwahlen in Kerkrade bzw. Venray für die NVU. Anders als in Deutschland fällt es ihm in den Niederlanden offenbar auch leichter, selbst als Redner ans Mikrofon zu treten.

„Partei- und Tagespolitik“

Als 1998 die NPD auch in NRW zum Thema ‚Wehrmachtsausstellung‘ die ersten größeren Demonstrationen auf die Straße brachte, war Malcoci auch in Deutschland wieder am Start. Fehlte er noch am 12. September 1998 in Münster, so war er am 24. Oktober 1998 in Bonn bereits in der erweiterten Demoleitung und am 22. Mai 1999 in Köln an vorderster Front zu finden. Vorbei die Zeit, in der er angeblich mit „Partei- und Tagespolitik“ nichts zu schaffen haben wollte. Malcoci machte sich auf die Suche nach Bündnispartnern. Drei Jahr zuvor hatte er die vom heutigen „Pro Köln-Ratsherrn Manfred Rouhs und seiner Zeitschrift „Europa Vorn“ initiierte „Pulheimer Erklärung“ unterzeichnet: „Es muss Schluss sein mit dem Gegeneinander eigentlich Gleichgesinnter.“
2005 kandidierte er auf Listenplatz 8 der NPD für den NRW-Landtag. In einer Erklärung, die mit „Viele freie Aktionsgruppen und freie Aktivisten aus NRW“ unterschrieben ist und als deren Urheber Malcoci vermutet wird, heißt es dazu: „Personen, die vorher durch ideologische Differenzen, Gruppenegoismen und persönliche Animositäten ferngehalten wurden, sind nun Bündnispartner.“
Einen Seitenhieb auf die Kritiker des „Volksfront“-Gedankens im extrem rechten Lager konnte sich der Verfasser des Textes nicht verkneifen, indem er „auswärtige Störversuche“ beklagte. Gemeint gewesen sein dürfte der Hamburger Christian Worch. Ihn und Malcoci verbindet seit Jahren eine gegenseitige Abneigung. Nachdem Worch beispielsweise 1997 den als Esoteriker bekannten Malcoci kritisiert hatte, sich trotz Zuständigkeit nicht ausreichend um den inhaftierten NSDAP-AO-“Führer“ Gerhard Lauck gekümmert zu haben, habe Malcocis Antwort – so Worch – in der Zusendung einer „Ablichtung von drei Tarot-Karten (… Trumpf 0, ‚der Narr‘, Trumpf 19, ‚die Sonne‘ und Trumpf XII, ‚der hängende Mann‘, auch ‚der Gehängte‘)“ bestanden. Und auch Worch macht bis heute aus seiner Distanz zu Malcoci keinen Hehl: Der sei zwar „zumindest in früheren Jahren auch den Medien gegenüber als aktiver Nationalsozialist bekannt“ gewesen, „aber das ist nun schon ein paar Jahre her, und seither hat Malcoci sich – wohl auch mit Blick auf seine politische Arbeit in den Niederlanden – in Deutschland eher ein wenig zurückgehalten.“ Jedenfalls sei Malcoci „nicht für alle freien Nationalisten in NRW repräsentativ“. Und dann gab’s noch ein wenig Spott obendrauf: Die „Mobilisierungskraft“ von Malcoci und Co. „innerhalb parteifreier Zusammenhänge“ sei „eher gering“, „wenig manpower, um es neudeutsch auszudrücken. Aber dafür sind sie vielleicht ,parteikompatibel‘. Nun, die NPD kann sich ihre Partner aussuchen. Wenn sie jemanden haben will, der pflegeleicht ist, aber nicht viele Leute auf die Straße bringt, ist das ihre Angelegenheit.“
Angesichts solcher Herzlichkeiten wundert es nicht, dass Malcoci nicht bei Veranstaltungen des Worch-Spektrums anzutreffen ist.
Aber auch das Verhältnis zwischen Malcoci und der NPD ist nicht störungsfrei. So gehörte er – obwohl die NPD für diesen Tag zu einer zentralen Demonstration in Berlin aufrief – am 8. Mai 2005 in Remagen zu den Organisatoren eines „Gedenkmarschs“ gegen „alliierte Kriegsverbrechen“. Seinem ‚Standing‘ gegenüber den Parteioberen tat das aber offenbar keinen Abbruch. Als er am 14. Oktober 2006 zu einer „zentralen Demonstration freier Kräfte, unterstützt durch die NPD“ unter dem Motto „Recht statt Rache – Revision der Nürnberger Prozesse“ in Nürnberg einlud, konnte er immerhin NPD-Parteichef Udo Voigt als Redner begrüßen.

Quelle: Terz 01/07 aus Lotta




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: