SS-Mann und Kinderschänder – Oskar Dirlewanger als Vorbild für Neusser Neonazis
An einer Kundgebung in Neuss am 29.04.06 nahm ein Neofaschist mit dem Zahlencode „88“ auf der Bomberjacke teil. Der Code steht in der Neonazi-Szene für „Heil Hitler“. Auf einem Soldatenfriedhof in Halbe (Brandenburg) warfen die so genannten „Freien Nationalisten Neuss“ einen Kranz zu Ehren Oskar Dirlewangers ab. Welche menschenverachtenden, selbst gewählten Positionen Rechtsextremisten einnehmen, wird einmal mehr am Beispiel des Exzesstäters Oskar Dirlewanger deutlich.
Eben dieser Nazi-Verbrecher Dirlewanger wird als Vorbild gewählt, wenn es um die Forderung nach der Einführung der Todesstrafe für Kinderschänder geht. So wurde es vom sog. „Widerstand Neuss“ auf einer mittlerweile abgeschalteten Internetseite gefordert.
Dirlewanger erhielt 1932 eine Stelle als hauptamtlicher SA-Führer in Esslingen und 1933 als „Alter Kämpfer“ eine Anstellung am Heilbronner Arbeitsamt. Wegen des sexuellen Mißbrauchs eines 13jährigen BDM-Mädchens und Unterschlagung wurde er 1934 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt (Urteil des LG Heilbronn vom 21. September 1934). In der Geschichtsschreibung wird sein Name mit „Alkoholismus, Sadismus und rauschhaften Gewalterfahrungen“ in Verbindung gebracht.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 meldete er sich freiwillig zur Waffen-SS (SS Nr. 357 267) und erhielt den Rang eines Obersturmführers. Auf Dirlewangers Anregung hin wurde das „SS-Sonderbataillon Dirlewanger“ für Vorbestrafte, wie er selbst einer war, von der SS im KZ Oranienburg aufgestellt. Sein Stellvertreter wurde Kurt Weiße, der bereits wegen Belästigung von Kindern gerichtlich vermerkt war und was sadistische Gewaltinszenierungen, Vergewaltigungen und Morde betraf, ihm in nichts nachstand.
Das „Sonderkommando Dirlewanger“ war eine besonders berüchtigte SS-Formation. Dirlewanger selbst galt als einer der extremsten Exzesstäter, die keine Befehle benötigten , sondern selbst die Initiative ergriffen. Seine Mördertruppe wurde bis Feb. 1942 in Polen eingesetzt und bildete dort u.a. das Wachpersonal eines jüdischen Arbeitslagers aus. Wegen Ermittlungen gegen ihn, setzte Dirlewanger ab August 1942 seine Verbrechen in Weißrußland fort . Als Feinde galten nun „Banditen, bandenverdächtige und bandenfreundliche Bewohner, Juden und Zigeuner, jeder Berittene, desgleichen als Kundschafter oder Posten anzusehende Halbwüchsige“.
Bei jeder Aktion, der zwischen 3000 und 10 000 Menschen zum Opfer fielen, wurden bis zu 30 Dörfer abgebrannt. Ab dem 2. August 1944 war Dirlewanger unter dem SS-Obergruppenführer von dem Bach-Zelewski an der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes beteiligt, wofür er im Oktober 1944 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde. Bei Kriegsende wurde seine Einheit an der Oderfront vollkommen vernichtet.
Wenn heute Rechtsextremisten im Rhein-Kreis Neuss und anderswo aufmarschieren, sollte dabei nicht vergessen werden, auf welche Vorbilder sie sich beziehen. Für bestialische Mörder Kränze abzuwerfen und die undemokratische Forderung nach Einführung der Todesstrafe, zeigen deutlich, wie widerlich und konfus Neofaschisten agieren! Deshalb Augen auf!
(ngr)
Quelle: Bündnis Neuss gegen Rechts





