1. Mai 2012: Gedenkfeier für die Neusser Widerstandskämpferinnen – und kämpfer (1933-1945)

Auch in diesem Jahr möchten wir gerne auf diesen Termin zu früher Stunde hinweisen:

Der Initiativkreis lädt Sie/Euch zur Gedenkfeier zu Ehren der Neusser Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer ein. Die Gedenkfeier findet am 1. Mai 2012 um 09:00 Uhr auf dem Neusser Hauptfriedhof an den Gräbern von Hermann Düllgen und August Höhfeld statt.

Antirassistische Demonstration in Düsseldorf

Abschiebungen stoppen – Wir bleiben alle wo wir wollen!

14. April 2012, 15:00 Uhr
Bertha-von-Suttner-Platz (direkt am Hbf), Düsseldorf

Für Samstag, den 14. April, rufen antirassistische Gruppen zu einer Demonstration gegen Rassismus und Abschiebungen in Düsseldorf auf. Thematisiert werden sollen vor allem die Abschiebungen vom Düsseldorfer Flughafen, und da von diesen vor allem Roma betroffen sind, auch Antiziganismus.

alle bleiben!

Neusser Zustände…

Wir weisen an dieser Stelle auf einen Beitrag kritischer InternetuserInnen bezüglich eines „Artikels“ auf der Facebook-Präsenz des Neusser Anzeigenblattes Stadt Kurier hin…

Neusser Zustände: Stadtkurier befeuert Rassismus

Der Stadtkurier ist ein kostenloses Anzeigenblättchen mit Verbreitung im Kreis Neuss. Neben allerlei Werbung und Hinweise auf Veranstaltungen fällt das Erzeugnis vor allem durch seine Nähe zur Neusser CDU und der katholischen Kirche auf. Soweit, so belanglos. Nun tummeln sich die Macher seit einiger Zeit auch bei Facebook und geben dort in regelmäßigen Abständen Einblick in ihr krudes Weltbild. Mal wird die Vermeidung außerehelichen Geschlechtsverkehrs zur Bekämpfung von AIDS empfohlen, mal vermeintlich Insiderinfomationen aus dem Stadtrat gepostet.
Am Freitag, 23.03.2012, konnten die geneigten Nutzer jetzt endlich wieder in den Genuss einer stadtkurier’schen Weisheit gelangen. Mangels Impressum auf der Facebookseite (im Übrigen ein Verstoß gegen die AGB’s des Anbieters) zeichnet für die Inhalte der Redaktionsleiter, Frank Möll, verantwortlich.
Um 16:40 Uhr verkündete er, dass

„das von Muslimen geforderte Frauenschwimmen im Stadtbad gescheitert ist. Ab sofort dürfen samstags auch wieder Männer schwimmen. Das Angebot wurde nicht angenommen. Effekt: Finanzielles Fiasko auf Kosten der Bürger…“

Diese Aussage ist nicht nur inhaltlich falsch, sondern ein Musterbeispiel dafür, wie der latente Rassimus in der Mitte der Gesellschaft ausgebreitet und befördert wird. Das Posting suggeriert, Muslime hätten Druck ausgeübt, Männer könnten samstags in Neuss nicht ins Schwimmbad gehen und die Stadt Neuss habe durch diese Maßnahme horrende finanzielle Einbußen erlitten. Tatsächlich hatte der Integrationsrat…
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Veranstaltungshinweis: Weibliche Mobilisierung in der NS-“Volksgemeinschaft“

Volksgenossinnen an der „Heimatfront“ – Weibliche Mobilisierung in der NS-“Volksgemeinschaft“

03. April 2012, 19:00 Uhr
Salzstr. 55 (direkt am Hbf), Neuss
Referentin: Dr. Nicole Kramer
Veranstalter: AK-Geschichte im freiraum neuss

Frauen sind psychisch zu Rassismus und Antisemitismus gar nicht fähig – diese These von Margarete Mitscherlich bestimmt unterschwellig bis heute die Diskussion um die Rolle der Frau im Nationalsozialismus. Frauen waren demnach in der NS-Zeit vor allem Opfer einer restriktiven Geschlechterideologie und eines reaktionären Frauenbildes, welches sie auf die Mutterrolle reduzierte. Schließlich mussten Frauen die Hauptlast während des Krieges und danach tragen (Stichwort Trümmerfrauen). Das dahinter durchscheinende Frauenbild orientiert sich an einem von den Nazis gezeichneten Propagandabild der „friedfertigen“ und “beschützenden“ Frau, welches bis heute weiterwirkt – sichtbar z.B. an der medialen Verwunderung über den Frauenanteil in rechtsradikalen Organisationen. Daran muss die Kritik ansetzen. Allerdings steht nicht die schlichte Erkenntnis im Mittelpunkt, dass Frauen als KZ-Aufseherinnen und Denunziantinnen an der Ausgrenzung und Vernichtung von Juden und Jüdinnen beteiligt waren. Vielmehr stellt sich die Frage, was Abermillionen Frauen begeistert an der Verwirklichung des Projekts „Volksgemeinschaft“ mitwirken ließ. Unter gewaltsamer Ausgrenzung aller nicht „arischen“ Frauen bot das Regime vielen „volksdeutschen“ Frauen offenbar zuvor nicht gekannte Teilhabe- und Aufstiegsmöglichkeiten, insbesondere an der „Heimatfront“ während des Krieges. Lässt sich also von einer „NS-Frauenbewegung“ reden oder gar von einem „völkischen Feminismus“?

Dabei kann es nicht darum gehen, den Nationalsozialismus durch den Nachweis moderner Tendenzen aufzuwerten. Vielmehr wird hier exemplarisch die ungebrochene Ambivalenz der „Moderne“ selber deutlich.

Weitere Infos findet Ihr beim freiraum neuss

Wie bei allen Veranstaltungen gilt auch hier:

Mitglieder und AnhängerInnen rechtspopulistischer bzw. extrem rechter Parteien und Organisationen haben keinen Zutritt zu der Veranstaltung. Die VeranstalterInnen behalten sich vor von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen.

Neusser SPD schwingt „Extremismus“-Keule

Laut Neuß-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) vom 24. Februar 2012 schickt sich die SPD Neuss ein knappes Vierteljahr nach ihrem Bekanntwerden an, praktische Konsequenzen aus der Terrorserie des selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zu ziehen.
So kündigte Benno Jakubassa, Vorsitzender des sozialdemokratischen Stadtverbands, die Gründung einer „Neusser Initiative gegen Rechts“ an. Dass bereits seit Ende 2005 ein sich als parteien- und spektrenübergreifend verstehendes, wiederholt mit wichtigen und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen und Aktionen in Erscheinung getretenes Bündnis Neuss gegen Rechts existiert, ficht ihn nicht an. Konzeptionell hat er zwar nur Allgemeinplätze anzubieten, gipfelnd in der Aussage „Mal sehen, was am Ende faktisch möglich ist“.
Dafür weiß Jakubassa jedoch umso genauer, welche Organisationen und Gruppierungen in der Initiative erwünscht sind, nämlich „alle demokratischen Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, aber auch Vereine und Verbände“. Ausgeschlossen blieben hingegen autonome Kräfte in Form der Antifa. „Mit denen haben wir nichts am Hütchen“ lässt sich der lokale SPD-Vorsitzende jovial zitieren und gibt zur Rechtfertigung eine aufgewärmte Version von „Geht doch nach drüben“ zum Besten, indem er behauptet, die entsprechende Szene habe „auch nie einen Ton zum Unrecht in der DDR gesagt“. Abgesehen von der Frage, seit wann Jakubassa ein intimer Kenner innerhalb autonomer Kreise geführter Diskussionen ist, sind ihm einige im Rahmen seiner Argumentation ausgeklammerte Aspekte entgegenzuhalten:
Während es mindestens zehn neonazistischer Morde und zweier weiterer rassistisch motivierter Bombenanschläge bedurfte, ehe er die Notwendigkeit eines systematischen Engagements gegen die extreme Rechte erkannte, leistet die Antifaschistische Aktion Neuss seit mehr als einem halben Jahrzehnt diesbezüglich kontinuierliche Arbeit. Nicht zuletzt sie war es, die das gefährliche Zusammenwirken von NPD und dem Milieu der „Freien Kameradschaften“ im Rhein-Kreis Neuss öffentlich machte und somit der Etablierung eben solcher Neonazi-Strukturen entgegentrat, die in Ostdeutschland als Nährboden für die Entstehung der braunen Terrorzelle dienten. Als die NPD-Orts- und -Kreisverbände Neuss, Mönchengladbach, Krefeld und Düren sowie die „freien“ Zusammenschlüsse „Freie Nationalisten Neuss“, „Sturmbund Aachen“, „Widerstand Meerbusch“, „Aktionsgruppe Rheinland“, „Aktionsbüro Mittelrhein“, „Freie Nationalisten Euskirchen“, „Kameradschaft Aachener Land“, „Freie Nationalisten Leverkusen“ und „Widerstand Mönchengladbach“ für den 13. Oktober 2007 zu einer Demonstration in Neuss aufriefen, mobilisierten antifaschistische Zusammenhänge an die 1.000 Menschen, die den Neonazi-Aufmarsch in ein Desaster münden ließen. Die SPD lieferte schon an diesem Tag einen Vorgeschmack auf die nun geplante „Initiative gegen Rechts“ ab, indem sie gemeinsam mit den übrigen im Stadtrat sitzenden Parteien eine Resolution gegen „Extremismus“ von Rechts und Links verabschiedete und eine spärlich besuchte Alibi-Kundgebung fernab der neonazistischen Demonstrationsroute abhielt.
Mit diesem Vorgehen lag die Neusser Politelite voll und ganz auf der Linie des in der BRD üblichen staatlichen Umgangs mit extrem rechten Aktivitäten, der den Vorgaben des „Extremismus“-Konstrukts folgt. Letzteres fußt auf der Annahme, repräsentative Demokratie und Marktwirtschaft fügten sich zu einer alternativlosen Staats- und Gesellschaftsordnung, die von den politischen Rändern her bedroht werde. „Links- und Rechtsextremismus“ erscheinen aus dieser verengten Perspektive als wesensverwandte Gefahrenpotenziale, die es im Sinne einer „wehrhaften Demokratie“ gleichermaßen zu bannen gelte. Dementsprechend pflegen „Sicherheitsbehörden“ und bürgerliche PolitikerInnen bei nahezu jeder Thematisierung extrem rechter Aggression eine Warnung vor der angeblich nicht minder massiven Bedrohung von links einzuflechten.
Die häufigen Gewaltausbrüche mit neonazistischem Hintergrund, die sich schlecht mit solchen Relativierungsbemühungen vertrugen, ließen sich in der Vergangenheit zwar nicht vollkommen ausblenden, wohl aber in lediglich stark gefilterter Form kommunizieren. So ergaben Recherchen eines Teams aus RedakteurInnen der Zeitungen „Die Zeit“ und „Der Tagesspiegel“ 137 zwischen 1990 und 2008 von extrem rechten Tätern verübte Tötungsdelikte, wohingegen in offiziellen Statistiken für diesen Zeitraum lediglich 46 Fälle verzeichnet sind. Hinweise auf das Zustandekommen einer solchen Diskrepanz lieferten Aussagen dreier sachsen-anhaltinischer „Staatsschützer“, sie seien 2007 von einem Vorgesetzten ermahnt worden, bei der Beobachtung der neonazistischen Szene „nicht alles (zu) sehen“, immerhin stehe „das Ansehen unseres Landes“ auf dem Spiel. Noch viel massiver stellt sich das Versagen, wenn nicht sogar die Kollaboration der „Sicherheitsbehörden“ im Fall der Zwickauer Terrorzelle dar, verfügte doch etwa das thüringische Landesamt für „Verfassungsschutz“ vor deren Abtauchen über mindestens drei Quellen im Umfeld der späteren NSU-Mitglieder. Eine dieser „Vertrauenspersonen“, der militante Anti-Antifa-Aktivist Tino Brandt, erhielt im Laufe seiner Spitzeltätigkeit nach eigener Angabe insgesamt rund 200.000 DM, die dem regionalen Neonazi-Netzwerk zugutekamen. Trotz des offenkundigen Scheiterns der Formen offizieller Beschäftigung mit dem Neonazismus ist keine Abkehr vom „Extremismus“-Konstrukt in Sicht. Die systematische Gleichsetzung von Neo- und Antifaschismus, von Bestrebungen zur Errichtung eines rassistischen Führerstaats und dem Engagement für die Schaffung sozialer Freiräume wird nicht nur weiterhin der Diskreditierung die Herrschaftsverhältnisse grundsätzlich hinterfragender, emanzipatorischer Politikansätze dienen, sondern auch den Blick auf in der „Mitte der Gesellschaft“ zur Genüge vorhandene fremdenfeindliche und nationalistische Tendenzen verdecken.
Die Empfänglichkeit bürgerlicher Schichten für rassistische Hetze problematisiert Benno Jakubassa in der NGZ bemerkenswerterweise selbst. Ihnen gedenkt er aber offenbar mit einer Umarmungsstrategie zu begegnen, zu deren Grundpfeilern die Abgrenzung von allen den rassistischen Normalzustand der Mehrheitsgesellschaft nicht akzeptierenden antifaschistischen Kräften gehört. Sein Entsetzen über die neonazistische Terrorserie mag authentisch sein, den notwendigen Lehren aus der Geschichte des NSU scheinen er und die Neusser SPD sich zu verweigern.

lichtung
manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

(Ernst Jandl)

Neusser Geschichtspolitik 2.0

In Neuss hat die Frage nach dem Umgang mit der Geschichte der Zwangsarbeit vor einiger Zeit heftige Kontroversen ausgelöst. So gab die Stadt zwar ein Buch zum Thema in Auftrag, mochte sich aber nicht mit dessen Ergebnissen abfinden. Deshalb fungierte schließlich nicht der von der CDU dominierte Rat als Herausgeber von „Zwangsarbeit in Neuss während des Zweiten Weltkriegs“. Das Werk erschien 2005 lediglich als „Dokumentation des Stadtarchivs Neuss“ (siehe TERZ 03.08). Auch das parallel geplante Denkmal entfachte einige Diskussionen. Beim offiziellen Einweihungsakt der zwei Meter hohen und 60 Zentimeter breiten Stele kurz vor Weihnachten 2011 war das alles allerdings vergessen. Da lobte der CDU-Bürgermeister Herbert Napp in seiner Rede das Werk des Historikers Christoph Roolf ausdrücklich, und auch für seine Parteifreunde galt es plötzlich als über jeden Zweifel erhaben. „Muss man darin nicht ein kritik- und diskussionswürdiges Beispiel für eine (versuchte) Instrumentalisierung von unabhängiger geschichtswissenschaftlicher Forschung für mal diesen und dann wieder jenen (parteipolitischen und erinnerungspolitischen) Zweck erblicken? Ich meine: Ja“, schreibt Roolf in einem Offenen Brief. Und man muss darin wohl auch ein Zeichen dafür erblicken, dass die Vergangenheit in Neuss nicht mehr lebendig ist.

Quelle: Terz (2/12)

Zwangsarbeit in Neuss



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