Demonstration gegen rechte Gewalt in Dortmund

Eine Serie Rechter Übergriffe in Dortmund gipfelte am letzten Sonntag (14.08.2016) in einem Messerangriff auf einen Antifaschisten. Mit einem gemeinsamen Aufruf mobilisieren antifaschistische und linke Gruppen aus Dortmund und NRW zu einer Demonstration nach Dorstfeld am Samstag den 20. August. Treffpunkt ist um 12:00 Uhr an den Katharinentreppen, gegenüber vom Dortmunder Hauptbahnhof.

Zeitzeuginnengespräch mit Marika Venezia

„MAN KOMMT NIE MEHR WIRKLICH AUS DEM KREMATORIUM HERAUS“

Zeitzeuginnengespräch mit Marika Venezia

INPUT – antifaschistischer Themenabend am 29. Juni 2016 um 20 Uhr im ZAKK, Fichtenstr. 40, Düsseldorf

56 Jahre war Marika Venezia aus Rom mit Shlomo Venezia verheiratet und teilte sein Schicksal und Trauma mit ihm. Ihr Ehemann, ein Jude italienischer Abstammung, der im griechischen Saloniki aufwuchs und am 1. Oktober 2012 im Alter von 88 Jahren in Rom verstarb, war einer der wenigen überlebenden Häftlinge aus dem jüdischen „Sonderkommando“ von Auschwitz-Birkenau. Er überlebte auch die Todesmärsche kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges und wurde letztendlich am 6. April 1945 im KZ Ebensee, einem Außenlager des KZ Mauthausen, befreit. Doch die Zeit in Birkenau blieb für ihn – und damit auch für Marika Venezia – präsent:
„Was ich auch tue, was ich auch sehe, mein Geist kehrt immer wieder an diesen Ort zurück. Man kommt nie mehr wirklich aus dem Krematorium heraus.“

Das „Sonderkommando“

Die Häftlinge des „Sonderkommandos“ wurden von der SS dazu gezwungen, die Menschen in die Gaskammern zu führen, die Leichen auszuplündern und
diese anschließend zu verbrennen. Die SS setzte jüdische Häftlinge für diese Aufgabe ein, nicht nur, um ihre eigenen Leute nicht einer psychischen Belastung auszusetzen. „Juden mussten es sein, die die Juden in die Verbrennungsöfen transportierten, man musste beweisen, dass die Juden, die minderwertige Rasse, die Untermenschen, sich jede Demütigung gefallen ließen und sich sogar gegenseitig umbrachten“, so der Auschwitz-Überlebende Primo Levi. Angehörige des „Sonderkommandos“ wurden vom übrigen Lagerkomplex isoliert in den Krematoriumsgebäuden untergebracht. Diese Maßnahme sowie die Ermordung und der Austausch von Häftlingen des „Sonderkommandos“ dienten dazu, den Massenmord möglichst lange zu vertuschen. Nur wenige Angehörige des „Sonderkommandos“ überlebten, neben ihren Berichten wurden in der Nachkriegszeit auf dem Lagergelände auch versteckte Aufzeichnungen gefunden, die das grausame Mordgeschehen dokumentierten und von später ermordeten Häftlingen des „Sonderkommandos“ als Akt des Widerstands hinterlassen worden waren. Am 7. Oktober 1944 kam es zu einem Aufstand des „Sonderkommandos“, bei dem drei SS-Männer und ein Kapo getötet, zwölf SS-Männer verletzt und Teile des Krematoriums IV und der dazugehörigen Gaskammer zerstört wurden. Weibliche Häftlinge hatten den benötigten Sprengstoff aus einer Munitionsfabrik, in der sie Zwangsarbeit verrichteten, ins Lager geschmuggelt. Doch die Fluchtversuche der Häftlinge im Rahmen des Aufstands scheiterten, 450 Angehörige des „Sonderkommandos“ wurden getötet, Unterstützer_innen hingerichtet. Kaum eine/r von ihnen hatte tatsächlich an ein Überleben zu hoffen gewagt, der Aufstand war ein Akt des Widerstands und der Selbstbehauptung sowie ein Versuch, möglichst vielen anderen Häftlingen das Leben zu retten. Und er hatte auch den „nicht-jüdischen Schicksalsgenossen gezeigt, was Juden zu tun vermochten“, so Israel Gutman. Durch ihre Aktion hatten die Männer des Sonderkommandos und ihre Unterstützer*innen die sich für unbesiegbar haltende Mordmaschinerie des NS ins Wanken gebracht, anderen Häftlingen Mut gemacht und wahrscheinlich vielen zum Überleben verholfen.

1. Mai 2016: Gedenkfeier für die Neusser Widerstandskämpfer*innen (1933-1945)

Auch in die­sem Jahr möch­ten wir gerne auf die­sen Ter­min zu frü­her Stun­de hin­wei­sen:

Der In­itia­tiv­kreis lädt Euch zur Ge­denk­fei­er für die Neus­ser Wi­der­stands­kämp­fe­rin­nen und Wi­der­stands­kämp­fer ein. Die Ge­denk­fei­er fin­det am 1. Mai 2016 um 09:00 Uhr auf dem Neus­ser Haupt­fried­hof an den Grä­bern von Her­mann Düll­gen und Au­gust Höh­feld statt.

Wenn Rassisten kleine Brötchen backen…

Im Rhein-Kreis Neuss sorgt seit einigen Tagen der Fall eines durch rassistische Entgleisungen in die Schlagzeilen geratenen Dormageners für Aufregung. Ausgelöst wurden die Diskussionen durch Werner Meuser, seines Zeichens promovierter Tierarzt und Geschäftsführer einer seit vier Generationen in Familienbesitz befindlichen Bäckerei.
Offenbar hegt Meuser erhebliche xenophobe Ressentiments, die im Zuge der aktuellen Flüchtlingsdebatte überkochten. So meldete er sich am 29.02.2016 auf Facebook mit folgendem Menetekel zu Wort: „Wenn die Afrikaner uns überrennen, ist das anscheinend gut. Gut für die Ausrottung der eigenen Rasse.“ Eine Neuntklässlerin des in Dormagen-Hackenbroich angesiedelten Leibniz-Gymnasiums las den unsäglichen Beitrag und meldete ihn der Schülervertretung, die umso empörter reagierte, als die in der Cafeteria der Bildungseinrichtung erhältlichen Brötchen von der Bäckerei Meuser stammten. Auf Betreiben der engagierten Schüler*innen, die ihre Zugehörigkeit zur Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nicht als bloßes Lippenbekenntnis verstanden wissen wollten, kam es zur Kündigung des Liefervertrages, was wiederum beim Verursacher dicke Krokodilstränen fließen ließ.
In einem der Neuß-Grevenbroicher Zeitung gegebenen Interview jammert Meuser, „angeschlagen wie ein krankes Kaninchen“ zu sein. Dem Vorwurf des Rassismus tritt er mit dem Hinweis entgegen, ja ausländische Arbeitnehmer*innen zu beschäftigen, wofür aber aufgrund des Auftragsverlustes nicht länger garantiert werden könne.
Von ernst zu nehmender Selbstkritik keine Spur, unbeirrt postuliert Meuser einen „Stopp des Flüchtlingsstroms“, behauptet jedoch, keineswegs rechts, sondern „vielmehr FDP-orientiert“ zu sein. Exemplarisch verkörpert er den virulenten Rassismus der Mitte und wird inzwischen entsprechend nachdrücklich innerhalb extrem rechter Kreise zum Märtyrer stilisiert.
Auf ihrer Homepage greift etwa Ende März 2016 die NPD Oberhausen die Geschichte auf. Dass sie Meuser fälschlich zu einem „Büchereibesitzer“ erklärt, mag dem Umstand geschuldet sein, dass Literatur bei Nazis traditionell mit Assoziationen an Hitze und Feuer verknüpft ist.
Geradezu als ein Symptom des von seinen Autor*innen gebetsmühlenartig beschworenen Untergangs der abendländischen Leitkultur wertet der islamfeindliche Blog „Politically Incorrect“ die Vorkommnisse in Dormagen.
In einem am 18. März 2016 veröffentlichten Artikel der Österreicherin L.S. Gabriel werden namentlich genannte und auf unverpixelten Fotos gezeigte Schüler*innen des Leibniz-Gymnasiums als „Streber der deutschen Meinungsdiktatur“ denunziert. In einem tags darauf geposteten offenen Brief an den Schulleiter wird dieser aufgefordert, den „kleinen Fanatiker-Schülern“ Einhalt zu gebieten. Entlarvend ist in diesem Zusammenhang der Appell, im Unterricht „auch die Geschichte, die vor 1939 stattfand,“ zu berücksichtigen, so als habe der Nationalsozialismus sich erst mit Entfesselung des Zweiten Weltkrieges diskreditiert.
In zahlreichen Kommentaren überbieten sich PI-Leser*innen in widerlichen Gewaltfantasien. Ein gewisser „Tiefseetaucher“ beispielsweise schreibt: „Das ist hochedel, dennoch meine ich, dass diesen kleinen, arroganten Gesinnungsfaschisten mal so richtig eins in die Fresse gehört, diesen widerlichen kleinen Blockwarten und denunziatorischen Apportierpinschern des Herrn Maas.“ Während also wie üblich in extrem rechten Foren verbale Brandsätze auf Flüchtlinge und politische Gegner*innen geworfen werden, wollen wir den Schüler*innen des Leibniz-Gymnasiums unseren Respekt aussprechen für ihre antirassistische Sensibilität inmitten eines von Inhumanität und reaktionärer Mobilisierung geprägten gesellschaftlichen Klimas.

Infoveranstaltung in Neuss: NRW ganz rechts

Infoveranstaltung zum Thema:

NRW ganz rechts – Die extreme Rechte in NRW auf dem Vormarsch?

Montag, 21. März 2016
19.30 Uhr
Alte Schmiede
Michaelstr. 50
41460 Neuss

28 Demonstrationen von PEGIDA- und deren Abspaltungen, der selbsternannten „Bürgerbewegung pro NRW“ sowie den „Republikanern“ im Jahr 2015 – und dies nur in der Nachbarstadt Düsseldorf; eine Verachtfachung der Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte im Vergleich zum Vorjahr in NRW; Demonstrationen mit mehreren tausend TeilnehmerInnen
aus dem rechten Fußballfan-Spektrum in Köln: Ist die extreme Rechte in NRW vor dem Hintergrund der Debatten um islamistischen Terrorismus, eine angebliche Bedrohung eines wie auch immer definierten „Abendlands“ durch die Einreise von Schutz suchenden Menschen sowie um die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln auf dem Vormarsch?
Kann sie diese Debatten für sich nutzen?
Der Vortrag versucht sich an einer Bestandsaufnahme extrem rechter Wahlparteien wie NPD, „Die Rechte“, „pro NRW“ und „Republikaner“, nicht parteiförmig organisiertem Neonazismus und rassistischen Bewegungen wie PEGIDA und „Hooligans gegen Salafismus“ (HoGeSa) in NRW.
Was verbindet diese Akteure, was unterscheidet sie? Wie handlungsfähig sind sie, wo wirken sie zusammen? Benannt werden hierbei auch Beispiele aus dem lokalen Raum.

Referent:

Jürgen Peters (Freier Journalist und Autor sowie Bildungsreferent des Antirassistischen
Bildungsforums Rheinland)

Der Veranstalter behält sich vor, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen,
die extrem rechten und/oder rassistischen Parteien, Organisationen oder Szenen angehören bzw. bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen oder Handlungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Soli-Konzert für die Unterstützung Geflüchteter

Neuss gegen Rechts lädt zum Soli-Konzert für die Unterstützung sozialer Flüchtlingsprojekte ein.




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: