Um 14 Uhr beginnt am Hauptbahnhof der voraussichtlich größte Nazi-Aufmarsch in Neuss seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Diese faschistische Demonstration ist der vorläufige Höhepunkt der seit Jahren zunehmend im Rhein-Kreis Neuss zu beobachtenden Aktivitäten organisierter Neonazi-Strukturen. Angemeldet wurde sie von der extrem rechten Partei NPD, die auch in NRW und der hiesigen Region immer stärker in Erscheinung tritt.
Der Neusser NPD-Ortsverband unter Führung des Vorsitzenden Sven Barth zeigt hierbei keinerlei Scheu, eng mit dem Spektrum der militant-neonazistischen „Freien Kameradschaften“, im Rhein-Kreis vertreten durch die sogenannten Freien Nationalisten Neuss, zu kooperieren.
Gemeinsam veranstalten NPD-Neuss und „Freie Nationalisten Neuss“ regelmäßig Kundgebungen und sogenannte Mahnwachen in Neuss, Grevenbroich und Dormagen, in deren Rahmen sie rassistische Hetze betreiben und Andersdenkende bedrohen, und beteiligen sich bundesweit sowie im benachbarten Ausland an neofaschistischen Aufmärschen.
Für die Neusser „Kameraden“ scheint es hierbei keinen Widerspruch darzustellen, einerseits gebetsmühlenartig die „Todesstrafe für Kinderschänder“ zu fordern und andererseits einen Kranz abzuwerfen für die SS-Division Oskar Dirlewanger, benannt nach einem wegen sexuellen Missbrauchs eines 13-jährigen Mädchens verurteilten Nazischergen, so geschehen bei einer revisionistischen und NS-verherrlichenden Demonstration 2005 im brandenburgischen Halbe.
Parallel zu den braunen Propagandaaktivitäten kam es bereits mehrfach zu gewalttätigen Übergriffen auf Menschen, zu deren Verfolgung NPD und „Freie Kameradschaften“ offen aufrufen.
So attackierten im November 2005 cirka 25 Neonazis die Besucherinnen und Besucher eines Punk-Konzertes im Geschwister-Scholl-Haus.
Am 28. September 2007 schließlich wurde eine 23-jährige türkischstämmige Frau im Grevenbroicher Bahnhof von einem glatzköpfigen Mann, der Springerstiefel und eine Bomberjacke trug, geschlagen und getreten.
Meinen die Neusser Neonazis solche Vorkommnisse, wenn sie im Rahmen des Aufrufes zu ihrer heutigen Demonstration ankündigen, wer Wind säe, werde Sturm ernten?
Mit den Aktivitäten der extremen Rechten im Rhein-Kreis-Neuss wuchs dort allerdings auch der antifaschistische Widerstand. Besonders eine im August 2007 unter dem Motto „Keine Freiräume für Nazis“ erfolgreich durchgeführte Antifa-Demonstration dürfte die Neusser Neonazis nachhaltig beeindruckt haben.
Vergangenen Dienstag verhinderten darüber hinaus engagierte Menschen in Dormagen einen als „Dienstagsgespräch“ getarnten Vortrag des bundesweit bekannten Neofaschisten und NPD-Funktionärs Andreas Molau, dessen Gesinnung schon allein durch den Umstand deutlich wird, dass er 2006 mit einer Zeichnung am Teheraner Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb teilnahm.
Die regelmäßig in Dormagen abgehaltenen „Dienstagsgespräche“, in deren Rahmen bereits Neofaschisten wie Harald Neubauer, Mitherausgeber der braunen Zeitschrift „Nation und Europa“, und der Fraktionsvorsitzende der NPD im sächsischen Landtag Holger Apfel menschenverachtende Phrasen droschen, dienen als Vernetzungsforum der selbsternannten Bürgerbewegung „pro NRW“. Letztere geht auf eine Initiative der extrem rechten „Bürgerbewegung pro Köln“ zurück, die seit über einem Jahrzehnt in der Domstadt rassistische Hetzkampagnen durchführt.
Eine Gemeinsamkeit zwischen „pro NRW“ und NPD-Neuss besteht darin, dass beide Gruppierungen sich im Hinblick auf die Kommunalwahl 2009 lokalpolitisch etablieren wollen.
Im Hinblick auf diese Zielsetzung versuchen sie, sich bürgerinnen- bzw. bürgernah zu geben und als Interessenvertreterinnen der sogenannten kleinen Leute, so deren Abstammung ihnen deutsch genug erscheint, aufzuspielen.
Um potenzielle Wählerinnen und Wähler nicht abzuschrecken, mühen sich NPD und „pro NRW“ zudem, ihre tiefe Verwurzelung innerhalb des Neonazi-Spektrums zu verschleiern.
Vor diesem Hintergrund erscheint es allerdings kurios, dass die NPD-Neuss sich für den heutigen Aufmarsch nicht nur der Unterstützung benachbarter NPD-Kreisverbände und militant-neonazistischer „Freier Kameradschaften“ wie der „Kameradschaft Aachener Land“ vergewissert, sondern einen seit Jahrzehnten überregional aktiven Neonazi um Hilfe gebeten hat.
So fungiert Christian Malcoci, offiziell in Grevenbroich-Elsen wohnhaft, als stellvertretender Versammlungsleiter.
Malcoci war während seiner langen neofaschistischen Laufbahn unter anderem stellvertretender Vorsitzender der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e. V.“, einer der größten und wichtigsten Organisationen der extremen Rechten in der BRD, sowie „Gausekretär Rheinland“ der 1995 verbotenen „Freiheitlichen Arbeiter Partei“.
2002 kandidierte Malcoci für die Kommunalwahl im niederländischen Kerkrade, 2005 bei der Landtagswahl in NRW auf Platz 8 der NPD-Liste.
Wir wollen und werden nicht zulassen, dass Malcoci und Konsorten gleich ihre menschenverachtende Ideologie ungestört zur Schau stellen können!
Zeigen wir NPD und „Freien Kameradschaften“ unmissverständlich, dass sie weder in Neuss noch sonst wo erwünscht sind!

Für die Freiheit, für das Leben, Nazis von der Straße fegen!!!




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